Die Ehrenvorsitzenden Dirk Johns, Jan und Marten Spreckelsen

Jan Spreckelsen

Dirk Johns

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Marten Spreckelsen

Vierzig Jahre Vorsitzender eines Boßelvereins - das ist schon eine stolze Bilanz. Dirk Johns aus Katharinenheerd kann so manches erzählen aus seiner Amtszeit als Vorsitzender von 1928 bis 1969. Damals wurde er zum ersten Mann im Boßelverein “Martje-Flohrs” gewählt, nachdem er 1925 von Uelvesbüll nach Katharinenheerd gezogen war und zunächst als zweiter Vorsitzender fungiert hatte.

Fast in jedem Haus im Ort wohnten in den zwanziger Jahren aktive oder passive Mitglieder, erzählt Dirk Johns. Der Boßelverein sei eine geeignete Grundlage gewesen, den Zusammenhalt und die Einigkeit aufrechtzuerhalten. Jeder konnte mitmachen - als Spieler oder Helfer. Allerdings boßelten die Frauen damals noch nicht. Wenn sich Unstimmigkeiten anbahnten, erinnert sich Dirk Johns, habe er immer versucht zu schlichten, denn die Kameradschaft durfte nicht auf`s Spiel gesetzt werden.

Schwierig sei es gewesen, die Beiträge zu kassieren, da die Leute nicht viel Geld gehabt haben. Aber das Ansehen “Martje-Flohrs” im Ort sei so hoch gewesen, dass einzelne Gemeindemitglieder freiwillige Spenden gegeben hätten, um den Verein zu unterstützen. Die Finanzlage sah ohnehin nach der Gründung am 29.Januar 1908 nicht sehr rosig aus. Aus den alten Protokollbüchern ist zu ersehen, dass bei jeder ausserplanmäßigen Ausgabe “per Circulator” freiwillige Gaben eingesammelt wurden. Fuhren Mitglieder zu Preis- oder Verbandsboßelfesten auswärtiger Vereine, mussten sie die Kosten selbst tragen. Trotzdem überlegten die Mitglieder schon im Juni 1911, sich eine Vereinsfahne anzuschaffen.

Dieses Vorhaben wurde jedoch erst im Jahre 1933 in die Tat umgesetzt. Zwei Dorfbewohnerinnen bestickten das auf Vereinskosten angeschaffte Fahnentuch mit dem Bild eines Feldboßlers. In diesem Jahr fiel auch der Zusammenschluss mit den beiden Boßelvereinen Kotzenbüll und Kating - nach dem gemeinsamen Anfangsbuchstaben der drei beteiligten Gemeinden K-Bund genannt. Auf diese Weise konnte sich dieser Verbund durch höhere Mannschaftszahlen bei Feldkämpfen mit anderen Vereinen messen. In dieser Vereinigung wurde Dirk Johns ebenfalls zum ersten Vorsitzenden gewählt. Auch dieses Amt legte er als 70-jähriger erst 1969 nieder, um es in jüngere Hände zu übergeben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde “Martje-Flohrs” wie alle Vereine durch die Besatzungsmächte aufgelöst. Doch schon 1946 ging es weiter. Dirk Johns berichtet, dass die Mitgliederzahl damals zu rasch wuchs. Es sei ein großes Glück gewesen, dass viele Flüchtlinge Spaß am Boßeln gefunden hätten. Doch schließlich bot es auch eine gute Möglichkeit, sich in der neuen Heimat einzuleben.

Die Mitgliederbeiträge wurden nach und nach erhöht. Zusätzlich gefördert wurde der Verein aus dem Kulturfonds der Gemeinde. Vor allem in den Altersklassen der 15- bis 20-jährigen stieg das Interesse am Boßeln. Auch heute werde dieser Sport bei den jungen Leuten immer beliebter. Das Problem sei allerdings, dass die Nachwuchsboßler - kaum hätten sie das Boßeln erlernt - wegen der Arbeitsplätze wegzögen.

Seit 1969 ist Dirk Johns Ehrenvorsitzender des Ortsvereins “Martje-Flohrs” und des K-Bundes. Er verstarb 2002 im Alter von 100 Jahren.

Zum Nachfolger wurde Jan Spreckelsen auf der Jahreshauptversammlung 1969 gewählt. Dieses Ehrenamt führte er 22 Jahre - bis 1992. Er war seit 1960 2.Vorsitzender und Mitglied des Vorstandes. In dieser Zeit hatte er das Glück, das viele Jugendliche in Katharinenheerd blieben und durch das Baugebiet viele große Boßler heran wuchsen. Der Boßelverein Martje-Flohrs war ein starker Gegner der sich viele Goldene Boßeln und Siege an die Fahne heften konnte.

Es wurden auch viele neue Veranstaltungen ins Leben gerufen, wie die Doppelkopfspiele in Hemminghörn. Das Lagerfeuer wurde 1977 unter seiner Führung und Mitwirkung des Vorstandes ins Leben gerufen. Das Lagerfeuer gehört noch heute zu den großen Veranstaltungen im Dorf. Zum 300. Geburtstag von Martje Flohrs im Jahre 1989 wurde die neue Vereinsfahne vom Ehrenvorsitzenden Dirk Johns und von Hans Jacobs eingeweiht. Sie wurde in vielen Stunden Handarbeit von Brigitte Schwerdt gestickt. Diese Feier gehörte mit zu den Höhepunkten in der Amtszeit von Jan Spreckelsen. In dieser Zeit war er auch Kreisjugendwart des Unterverbandes Eiderstedt sowie Landesjugendwart und Kassierer des Hauptverbandes. 1998 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und somit wieder Mitglied des Vorstandes.

Von 1992 bis 1996 wurde Marten Spreckelsen zum 1.Vorsitzender des Boßelvereins gewählt, als sein Bruder Jan nach 22 Jahren zurücktrat. Auch Marten Spreckelsen war als hervorragender Boßler und langjähriger Jugendwart bestens mit dem Vereinsleben vertraut. Aber seit etwa 10 Jahren musste der Verein hinsichtlich der Leistungsstärke erhebliche Einbußen hinnehmen. Durch das altersbedingte Ausscheiden etlicher erfahrener Boßler und den aus beruflichen Gründen erfolgtem Wegzug vieler guter junger Boßler, wurde der Verein leistungsmäßig erheblich geschwächt.

Auf der Vorstandssitzung im Jahre 1964 wurde Marten Spreckelsen zum 1.Jugendwart gewählt. Es wurde regelmäßig geübt und die Erfolge auf Kreis- und Landesebene blieben nicht aus. Der Boßelverein stellte immer eine große Gruppe für Vergleichskämpfe auf Landesebene bereit. Im Straßen- und Feldboßeln wurden viele Titel auf Unterverbands- und Landesebene, sowie bei Europameisterschaften geholt.

Nach 11 Jahren legte Marten Spreckelsen seinen Posten als 1.Jugendwart ab und Werner Plähn wurde zum 1.Jugendwart gewählt. Auch Werner Plähn war als Boßler ein Vorbild für die Jugend und seine Erfolge mit der Jugend blieben nicht aus. 1980 gab er dieses Amt ab und Marten Spreckelsen wurde wieder zum 1.Jugendwart gewählt und hat dieses Amt bis 1990 betreut.

Auf der Generalversammlung 2005 übernahmen Marten Spreckelsen und Paul Wilke als “Doppelspitze” den Posten des 1.Vorsitzenden und führten den Verein erfolgreich durch die Vorbereitungen für die 100-Jahrfeier und waren nebenher auch noch im Chronikteam aktiv. Beide Namen werden immer mit dem grandiosen Jubiläumsjahr 2008 und den damit verbundenen Feierlichkeiten des Boßelvereins verbunden sein.