Spannendes Landes-Pokalboßeln

Der Unterverband Eiderstedt verteidigte den Mannschaftstitel beim Landes-Pokalboßeln in Mildstedt erfolgreich. Der Einzeltitel ging wie vor zwei Jahren nach Dithmarschen und wurde vom Eddelaker Mirko Helliesen mit 233,5 Metern gewonnen.

Der Unterverband Norden war Gastgeber auf dem Sportgelände Langsteeven. Dort kämpften neben den Gastgebern auch Eiderstedt und Dithmarschen um Siegerehren. Der Unterverband Steinburg konnte aus personellen Gründen kein Team stellen. Jeweils zehn Werfer gingen von jedem Unterverband an den Start. Jeder Boßler hatte drei Würfe auf dem Stand zu absolvieren. Und dabei zeigte sich, dass die Eiderstedter besser mit dem Drei-Wurf-System zurechtkamen. In Dithmarschen wird nach dem Vier-Wurf-System geworfen, man kann sich somit einen Fehlwurf erlauben.

Und die Wurfsicherheit entschied dann auch diese Meisterschaft. Bereits als zweitem Dithmarscher Werfer unterliefen Christian Köhne zwei Fehlwürfe, nachdem Hannes Gußmann sein Team zunächst mit 226 Metern in Führung gebracht hatte. Bei der Nummer vier und sechs folgten zwei weitere Fehlwürfe und damit waren die Siegchancen dahin. Während sich der Unterverband Norden fünf Fehlwürfe leistete, brachten die Titelverteidiger 29 Würfe in die Bahn. Erst den letzten Eiderstedter Wurf setzte Torsten Gebert außerhalb des Sektors. Mit insgesamt 1989,5 Metern siegte Eiderstedt vor Dithmarschen mit 1876 Metern (4 Fehlwürfe) und Norden mit 1673,5 Metern (5 Fehlwürfe). Im erfolgreichen Team boßelten: Günther Nebbe (196,0 Meter), Dennis Niehus (206,5 Meter), Torben Liermann (198,5 Meter), Knud Seiler (208,5 Meter), Chris Dittelbach (221,0 Meter), Michael Spiegel (200,0 Meter), Torben Thomsen (194,0 Meter), Pascal Gautschi (191,5 Meter), Andreas Schau (230,0 Meter) und Torsten Gebert (143,5 Meter.

In der Einzelwertung hatte der Dithmarscher Mirco Helliesen mit 233,5 Metern frühzeitig eine Marke gesetzt, an die sich seine Gegner orientieren konnten. Doch das Ergebnis sollte nicht übertroffen werden. Einer der Mitfavoriten war Torsten Gebert. Er startete mit 76 Metern, der zweite Wurf landete dann nur noch bei 67,5 Metern und der dritte außerhalb des Sektors. Da machte es sein Mannschaftskollege Andreas Schau schon besser. Diesem gelang mit 81 Metern der Tagesbestwurf, doch danach baute er ab und kam mit 230,0 Metern auf den zweiten Platz. Den dritten Platz sicherte sich Marten Greve vom gastgebenden Unterverband Norden mit 229,0 Metern. Chris Dittelbach (Eiderstedt) kam mit 221,0 Metern auf Platz fünf und Hauke Müller (Norden) mit 214,0 Metern auf Platz 8.

 

Zwei Jahrzehnte im Einsatz für das Boßeln

Mit viel Lob und guten Worten wurde Jürgen Gebert als Vorsitzender des Unterverbands Eiderstedt verabschiedet. Genau 20 Jahre stand Jürgen Gebert aus Kotzenbüll dem Unterverband der Eiderstedter Boßler vor. Er wurde 1989 als Nachfolger von Hans Jacobs (Tating), dem Ehrenvorsitzenden des Unterverbands als auch des Schleswig-Holsteinischen Hauptverbands, in Kotzenbüll gewählt und gab nun in seinem Heimatort das Amt wieder ab. Zu seinem Nachfolger wählte die Versammlung einstimmig Jan-Friedrich, besser bekannt als “Fiete” Clausen aus Koldenbüttel.

“Jürgen hat es seinerzeit nicht leicht gehabt, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, aber er hat sie gut ausgefüllt”, sagte Clausen. 1992 war die Wohnsitzfrage noch nicht geklärt, Beiträge mussten erhöht werden, aber alle Schwierigkeiten meisterte er mit diplomatischem Geschick. Als Gründungsmitglied der Boßelzeitschrift “Kiek Ut” und Redaktionsmitglied kann er jetzt stolz darauf sein, dass in Kürze die 100. Ausgabe ausgeliefert wird. Die Beziehung zu den Oldenburgern habe er weiter ausgebaut. Zu Geberts totaler Überraschung und großer Freude waren Johann Wasselhorst und Heiko Wisse vom Oldenburger Klootscheeterverband angereist.

Die Königsdisziplin im Boßeln, die Kombimeisterschaft, bestehend aus Stand-, Feld- und Straßenboßeln, habe Gebert eingeführt, damit der Sport attraktiv bleibe, so Clausen weiter. 2007 war ein Eiderstedter Verein als Gastgeber für das Hauptverbandsfest vorgesehen. Da aber ein einzelner Verein diese Aufgabe nicht übernehmen konnte oder wollte, habe Jürgen Gebert in einem Kraftakt alle Vereine unter einen Hut gebracht “und zusammen wurde ein tolles Fest in St.Peter-Ording organisiert”, so Clausen.

Alle Ehrengäste, Hans Jacobs, Kreispräsident Albert Pahl, Hans Meeder (Heimatbund) und Wolfgang Jacobs (Hauptverband), lobten einhellig die Arbeit von Jürgen Gebert für das alte Heimatspiel, das sich zwischenzeitlich zu einem Ganzjahressport entwickelt habe. Die Zusammenarbeit war immer sehr gut und trotz aller Globalisierung zeige das Boßeln die Verbundenheit und Identität mit der Heimat. Positiv sei die Tatsache, dass auf den Versammlungen Plattdeutsch gesprochen werde, so lebe diese Sprache weiter und werde auch den Jugendlichen vermittelt. Groß geschrieben werde die Kamerad- und Freundschaft zwischen den Boßlern, auch schwächere Werfer werden in den Feldkampf mit eingebunden. Und wenn am Deich mal ein hartes Wort fällt, spreche man sich aus und könne sich hinterher wieder in die Augen gucken. Und auch hier konnte Gebert vermitteln, wenn es mal richtig hakte.

Versüßt wurde der Abschied mit Geschenken: zwei Urkunden, auf denen die Werfer der Feldkämpfe von 1989 und 2009 zwischen Eiderstedt und Dithmarschen aufgelistet waren, beide endeten mit einem Sieg für die Eiderstedter, eine Ehrenurkunde vom Vorstand und ein Reisegutschein von den Vorstandsmitgliedern wird Jürgen Gebert und seine Frau auf die Ostsee führen. Ein persönliches Geschenk überreichte Clausen. Da Gebert schon mehrfach seine Geldbörse auf Europameisterschaften vermisst hatte, erhielt er jetzt ein Exemplar, versehen mit einer starken Kette.

Gebert dankte allen Boßlern und auch seinen Vorstandsmitgliedern für eine wundervolle Zeit, die viel Arbeit, aber auch viel Freude bereitete. Er habe seinem Nachfolger einen funktionierenden Vorstand übergeben und bat, das Vertrauen auch Clausen zu übertragen, damit der Boßelsport auf Eiderstedt erhalten und gefördert werde.

In seiner Boßellaufbahn hat Gebert seit 1968 keinen Feldkampf ausgelassen, einmal trat er sogar mit Gipsfuß an, er ist Träger des Leistungsabzeichens in Gold und hat fünf Mal aktiv an Europameisterschaften teilgenommen.

 

Durchwachsene Saison für die Boßler

Zum neuen Vorsitzenden des Unterverbands der Eiderstedter Boßler wählte die Versammlung den bisherigen zweiten Vorsitzenden Jan-Friedrich (Fiete) Clausen aus Koldenbüttel. Er löst Jürgen Gebert ab, der sich nach 20-jähriger Tätigkeit nicht wieder zur Wahl stellte. Zum neuen Stellvertreter avancierte Mathias Johns (Tetenbüll). Schriftführer Volker Wiese (Tating), Beisitzer-Ost Peter Julius Hansen (Tetenbüll) und Feldboßelobmann Klaus Jürgen Lorenzen (Uelvesbüll-Norderfriedrichskoog) wurden in ihren Ämtern bestätigt. Neu im Vorstand sind Rolf Peters (Kotzenbüll) als zweiter Kassenwart (bisher vakant) sowie Dirk Lautenschläger (Eiderbund) als Straßenboßelobmann, der damit Kai Meister (Eiderbund) auf diesem Posten, den er 18 Jahre innehatte, ablöst. Insgesamt waren 42 Delegierte aufgerufen, um die Belange von über 1000 Mitgliedern des Unterverbands zu vertreten.

Jürgen Gebert ließ das Jahr 2009 noch einmal Revue passieren. Einer von vielen Höhepunkten war der Großfeldkampf Eiderstedt gegen Dithmarschen in St.Peter-Böhl. Außergewöhnliche Leistungen auf beiden Seiten machten den Kampf spannend bis zum Schluss, den Eiderstedt dann mit 28 Meter Vorsprung gewann. Beim HN-Pokal-Boßeln in Simonsberg gewann Koldenbüttel ungeschlagen den A-Pokal (Absteiger Garding). In der B-Gruppe siegte Rödemis (Absteiger Heverbund) und aus der C-Gruppe stieg Tönning in die B-Gruppe auf. Bei den deutschen Meisterschaften in Zetel waren die Eiderstedter maßgeblich am Erfolg beteiligt. Dank einer nervenstarken Leistung von Torsten Gebert (Kotzenbüll) gewannen die Schleswig-Holsteiner auf dem FKV-Gelände mit einem Vorsprung vom 3,70 Metern und sicherten sich damit die Goldmedaille.

Unterverbandsmeister 2009 wurde Jan Johannsen (Koldenbüttel) mit 252 Metern, den A-Pokal gewann St.Peter-Ording, der B-Pokal ging an den K-Bund. Bei den 15- bis 16-Jährigen gewann Koldenbüttel und in der Juniorengruppe (17 bis 18 Jahre) siegte Tating. Beim Oldenburg-Treffen in Butjadingen konnten die Eiderstedter ihren Gesamtsieg vom vorigen Treffen aufgrund vieler kurzfristiger Absagen nicht verteidigen. Das 51. Hauptverbandsfest beim Mielebund (Dithmarschen) war für die Eiderstedter Mannschaft nicht erfolgreich, jedoch schafften es viele Einzelwerfer auf vordere Plätze.

Jugendwart Nils Poggensee legte eine gute Bilanz vor. Beim Johannes-Plähn-Boßeln siegte der Heverbund in der A-Gruppe, in der B-Gruppe gewann Tetenbüll. Das Landesjugendboßeln in Wesselburen war ein totaler Erfolg. Sowohl in der A-Gruppe als auch in der B-Gruppe siegte Eiderstedt, und sogar der Feldkampf gegen Dithmarschen wurde mit zwei Schott und zehn Metern gewonnen. Unterverbandsmeister wurden bei den 6- bis 9-Jährigen Garding (A-Gruppe), St.Peter-Ording (B-Gruppe) und Luca Flor (Garding) mit 83 Metern, bei den 10- bis 15-Jährigen K-Bund (A-Gruppe), Witzwort (B-Gruppe) und Jorris Jebe (Heverbund) mit 173 Metern.

Straßenboßelwart Kai Meister berichtete, dass an den Deutschen Meisterschaften in Zetel “teilgenommen” wurde. Gute Ergebnisse gab es dagegen bei den Unterverbandsmeisterschaften: Tjark Bischoff (Eiderbund) holte sich mit 987 Metern den Titel bei den Jugendlichen, Mirco Rönnau (Tating) bei den Junioren (1260 Meter), den Mannschaftspokal sicherte sich der K-Bund. Bei den Männern war Daniel Koch (Koldenbüttel) mit 1479 Metern erfolgreich, ebenso die Mannschaft aus Koldenbüttel. Das Landespokalboßeln im Meldorfer Speicherkoog brachte keine Titel, aber viele Plätze unter den Top Ten in den Einzelwertungen.

Etwas besser war die Bilanz von Klaus-Jürgen Lorenzen, der über das Feldboßeln berichtete. Bei den Deutschen Meisterschaften wurden vordere Plätze belegt. Mannschaftssieger wurde bei den Jugendlichen der K-Bund (1636 Meter), Einzelsieger Jugend Jan Hendrik Peters (K-Bund) mit 552 Meter und Juniorensieger Mirco Rönnau (Tating) mit 666 Meter. Bei den Männern siegte Chris Dittelbach (787 Meter) in der Einzelwertung und St.Peter-Ording gwann auch den Mannschaftspokal (2259 Meter). Der Klootscheeterpokal ging an Mirco Rönnau mit 81 Metern.

Die Kasse weist noch einen guten Bestand auf, sagte Christian Hinrichs (Heverbund), aber man müsse darauf achten, dass in den kommenden Jahren wieder Überschüsse erwirtschaftet werden.

Die Ehrengäste, Kreispräsident Albert Pahl, Ehrenvorsitzender Hans Jacobs, Wolfgang Jacobs vom Hauptverband und Hans Meeder vom Heimatbund waren voll des Lobes über die Arbeit, die in den Vereinen als auch im Unterverband erbracht werden. Die Boßler halten eine seit Jahrhunderten bestehende Tradition aufrecht und führen sie fort. Auch wird aktiv die plattdeutsche Sprache gefördert. Durch die internationalen Boßeltreffen haben sich viele Freundschaften im In- und Ausland entwickelt. Dem Nachfolger “Fiete” Clausen und dem gesamten Vorstand wünschten sie eine glückliche Hand.